Pädagogisches Konzept

Bildung für nachhaltige Entwicklung

In der Wasserschule tauchen die Teilnehmenden spielerisch, experimentell, praxisnah und mit allen Sinnen in die facettenreiche Welt des Wassers ein. Wir öffnen Augen für eine gefühlte Selbstverständlichkeit unseres Alltags: sauberes Wasser. Das eigene Verhalten in Bezug auf unser kostbarstes Lebensmittel soll hinterfragt und ein bewusster und nachhaltiger Umgang mit Wasser gefördert werden.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist im außerschulischen Bildungsangebot der Wasserschule Köln fest verankert. Die fünf Dimensionen einer BNE und deren Spannungsfelder werden am Thema Wasser verknüpft und in einen zeitlichen und räumlichen Kontext gebracht:

Aus der ökonomischen Dimension greifen wir u.a. Fragen zur Wasserver- und -entsorgung, des Wasserverbrauchs sowie regenerativer Energien auf.

Zur ökologischen Dimension gehören die Thematisierung der Gefährdung und der Schutz der Ressource Wasser, die Komplexität und die Zusammenhänge innerhalb des Wasserkreislaufs, sowie der schonende Umgang mit Wasser und Gewässern als Ökosysteme.

Kenntnisse über soziale Ungerechtigkeit und globale Unterschiede hinsichtlich Wasserverteilung und -nutzung sind der sozialen Dimension zuzuordnen.

Verantwortungsvolles, werteorientiertes Handeln gegenüber Menschen und Umwelt, nachhaltige Lebensstile und die Förderung unserer Gesundheit sind Inhalte der kulturellen Dimension.

Aus der politischen Dimension sind beispielsweise die politischen Rahmenbedingungen der Wasserwirtschaft, wie Trinkwasser- und Abwasserverordnung sowie die Wasserrahmenrichtlinie, zu nennen. Die Förderung der eigenen Identität und Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe sind ebenfalls Kerninhalte.

Dabei orientieren wir uns an den 17 Nachhaltigkeitszielen (Sustainable Development Goals/ SDGs), die 2015 von der UNESCO verabschiedet wurden. Folgende SDGs stehen im Fokus unserer Arbeit:

-       Hochwertige Bildung (4)

-       Sauberes Wasser und sanitäre Einrichtungen (6)

Darüber hinaus knüpfen wir Bezüge zu folgenden weiteren SDGs: Gesundheit und Wohlergehen (3), Geschlechtergleichheit (5), Bezahlbare und saubere Energie (7), Industrie, Innovation und Infrastruktur (9), Weniger Ungleichheiten (10), Nachhaltige Städte und Gemeinden (11), Nachhaltiger Konsum und Produktion (12), Maßnahmen zum Klimaschutz (13), Leben unter Wasser (14), Leben an Land (15).

Ziele/ Kompetenzen

Unsere praktische Bildungsarbeit ist kompetenzorientiert gestaltet (nach Leitlinie Bildung für nachhaltige Entwicklung, Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen 2019), um Schüler*innen zu befähigen, Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung gestalten zu können.

Neben naturwissenschaftlichem und nachhaltigkeitsrelevantem Wissen über Wasser, lernen die Teilnehmenden kritisches und systemisches Denken, Eigenverantwortlichkeit sowie soziale und kommunikative Kompetenzen. Sie reflektieren ihr eigenes Verhalten hinsichtlich Wasser, setzen sich mit Interessenskonflikten und Dilemmata auseinander, erkennen Handlungsalternativen, um damit Nachhaltigkeitsprozesse rund um eine zukunftsorientierte Wassernutzung mitzugestalten. Darüber hinaus unterstützen wir die Teilnehmenden eine positive emotionale und wertschätzende Beziehung zur Natur, insbesondere zu Wasser, aufzubauen bzw. zu vertiefen. Sie erfahren, dass über den Wasserkreislauf alles miteinander verbunden ist und sie selbst aktiver Teil dessen sind.  

Zielgruppen

Unser Bildungsangebot richtet sich an Schüler*innen aller Altersgruppen und Schulformen und setzt bei frühkindlicher Bildung ab der Vorschule an. Alle Kurse sind grundsätzlich inklusiv. So klären wir bereits im Vorgespräch mit den Verantwortlichen etwaige Förderbedarfe, um den Bedürfnissen aller Schüler*innen gerecht zu werden. Unsere Unterrichtskonzepte und Materialien sind anschaulich und in einfacher Sprache gestaltet und zusätzlich durch unterschiedliche Schwierigkeitsstufen (z.B. bei der Quiz-App oder bei verschiedenteiligen Wasserkreislaufpuzzle-Varianten) dem jeweiligen Lernniveau angepasst. Auch durch kooperative Lernformen, eine ausgeprägte Handlungsorientierung sowie unserem hohen Personalschlüssel (ab 15-20 Teilnehmer*innen unterrichten zwei Referent*innen) ermöglichen wir individuelles Lernen in positiver Atmosphäre. Darüber hinaus sind die Räumlichkeiten am Lernort Klärwerk weitgehend barrierefrei gestaltet und es steht ein rollstuhlgerechtes WC zur Verfügung.

Ausgehend von lebenslangem Lernen, bieten wir auch im Bereich der Erwachsenenbildung – mit besonderem Fokus auf die Schulung von Multiplikator*innen – Fortbildungen und Praktika an.

Darüber hinaus engagieren wir uns für sozial gerechte Bildung. Denn auch in Köln hat längst nicht jede(r) Schüler*in die gleichen Chancen und den gleichen Zugang zu Wissen. Dabei geht Umweltwissen und speziell das Wissen um unsere kostbarste Ressource – das Wasser – uns alle an. Daher hat es sich die Wasserschule mit ihrem Projekt „Bildung für alle“ zur Aufgabe gemacht, Schulklassen aus den sogenannten Sozialraumgebieten der Stadt kostenfrei in unsere Einrichtung einzuladen – inklusive kostenlosem Bustransfer.

Lernorte

Zur Vermittlung unserer Bildungsziele stehen uns drei Lernorte zur Verfügung:

 -       Das Wasserwerk in Köln-Westhoven

-       Das Klärwerk in Köln-Stammheim

-       Zwei Standorte an den Kölner Bächen „Strunde“ und „Mutzbach“

Die authentischen Lernorte ermöglichen dabei mit ihrem unmittelbaren Praxisbezug das hautnahe Erlebenvor Ort und anschauliche Erfahrungen, die in der klassischen Institution Schule so nicht realisiert werden können. Was passiert beispielsweise mit dem Abwasser, wenn wir die Spültaste gedrückt haben? Dem können die Wasserschüler*innen auf dem Klärwerk mit allen Sinnen nachgehen. Und im Wasserwerk gehen sie beim Blick hinter die Kulissen ihres Wasserversorgers der Frage auf den Grund wie das Wasser in den Hahn kommt, während sie am Bach Köcherfliegenlarven und Co. im Hinblick auf die Gewässergüte unter die Lupe nehmen.

Sowohl auf dem Klärwerk als auch auf dem Wasserwerk stehen uns kindgerecht gestaltete Unterrichtsräumlichkeiten, interaktive Lehrpfade sowie biologisch bewirtschaftete Naturflächen mitten in der jeweiligen Industrieanlage zur Verfügung. An den beiden Bachstandorten nutzen wir natürliche, strukturelle Gegebenheiten, wie Findlinge, Baumstämme und Sitzbänke zu Unterrichtszwecken.

Unsere Lernorte sind Bezugs- und Rückzugsorte. Von hier aus wird das jeweilige Gelände erkundet, hier kommt die Gruppe immer wieder zusammen, lernt, tauscht sich aus, experimentiert, spielt, macht Pausen und sucht Schutz vor der Witterung.

Didaktik und Methoden

In dreistündigen, separat buchbaren Kursen lernen die Teilnehmenden spielerisch die Besonderheiten und die Vielfalt des Stoffes kennen, ohne den ein Leben auf unserem Planeten nicht möglich wäre. Wir wecken mit spannenden und methodisch vielfältigen Aufgaben und Materialien die Neugier der Teilnehmer*innen, erkennen und bewerten aktuelle Probleme in der Wasserver- und –entsorgung sowie der Gewässerökologie und entwickeln gemeinsam mit den Schüler*innen Lösungsmöglichkeiten zum Schutz des Wassers. Unsere Methoden und Materialien sind lebensnah, der jeweiligen Altersgruppe und Schulform angepasst, sie greifen fächerübergreifendLehrplaninhalte auf und unterstützen Lehrer*innen bei der Vermittlung der geforderten Bildungsziele. In unseren Kursen werden praktische Erfahrungen sowie eigenaktives und erlebnisorientiertes Forschen und Lernen, das motiviert und Verhaltensänderungen anstößt, groß geschrieben.  

Mit Experimenten, Stationenlernen, Führungen, unterschiedlichen Spielen sowie fragend-entwickelnden Gesprächen und Diskussionen enthalten unsere Kurse eine Vielfalt an handlungsorientierten Methoden und ermöglichen den Lernenden so unterschiedliche Zugänge zu den Lernzielen. Dabei setzen wir auf interaktives und partizipatives Lernen mit abwechslungsreichen und innovativen Materialien und Medien, wie beispielsweise den eigens für die Wasserschule konzipierten Erklärfilmen „Wie funktioniert ein Wasserwerk“ und „Wie funktioniert ein Klärwerk“ sowie der Quiz-App „Wasserwelten“, mit der die Wasserschüler*innen in Kleingruppen und auf Ipads Fragen sowie ein Puzzle zu speziellen Wasserthemen anhand der interaktiven Lehrpfade der Lernorte lösen. Unsere Kurse folgen inhaltlich und methodisch einem Leitfaden, lassen aber immer ausreichend Spielraum, um Impulse, Fragen und Vorwissen der Teilnehmenden aufzugreifen und in den Lernprozess einzubinden. Dabei begegnen wir den Teilnehmenden empathisch und auf Augenhöhe, kommunizieren gewaltfrei und gehen flexibel auf die Bedürfnisse der Gruppe ein. Darüber hinaus haben auch Lehrer*innen, Erzieher*innen und Multiplikator*innen im Vorfeld zu den Veranstaltungen Gelegenheit, Inhalte mitzubestimmen. Wir sind stets offen für Kritik und Anregungen. Und auch zur Nachbereitung der Kurse stellen wir mit unseren Schüler-Arbeitsheften sowie diversen Info-Materialien Möglichkeiten zur Vertiefung des Wissens zur Verfügung.

Für unsere pädagogische Arbeit gelten die Prinzipien des Beutelsbacher Konsens: Wir „stülpen“ Wissen nicht einfach „über“, sondern bieten den Rahmen für eigenaktives, forschendes und entdeckendes Lernen, das die Teilnehmenden befähigt eigene, kreative Problemlösungsstrategien zu entwickeln und damit zu gesellschaftlicher Transformation beizutragen.

Kurse

Neben den beiden Unterrichtsschwerpunkten „Trinkwassergewinnung und -aufbereitung“ und „Abwasserreinigung“, bieten wir weitere Kurse: Mit den „Bachreportern“ führen wir gewässerökologische Untersuchungen an Kölner Bächen durch, während im Kurs „Hochwasserschutz“, der sich explizit an Sekundarstufen und interessierte Erwachsene richtet, Ursachen von Hochwasser und Maßnahmen zum Schutz erarbeitet werden. Das Programm „Wasser und seine Gesichter“, das speziell für unsere kleinen Besucher aus der Vor- und der Grundschule entwickelt wurde, macht besondere Eigenschaften von Wasser, wie etwa die Oberflächenspannung, erlebbar. Für Multiplikator*innen und interessierte Erwachsene stehen entsprechende Fortbildungsveranstaltungen und Praktika auf dem Programm. Die dreistündigen Kurse können einzeln oder aufeinander aufbauend gebucht werden, so dass sie inhaltlich den gesamten ökologischen und wirtschaftlichen Wasserkreislauf abdecken.  

Mit Ausnahme des Kurses „Wasser und seine Gesichter“, der sich explizit an Vorschulkinder und Grundschüler*innen der 1. und 2. Klasse richtet und sehr spielerisch die Eigenschaften von Wasser behandelt, sind alle Kurs-Angebote explizit am BNE-Bildungskonzept ausgerichtet.

Der thematische Schwerpunkt der Kurse liegt dabei auf den Wechselbeziehungen zwischen Wasser und Mensch und dem Wasserkreislauf. Sie knüpfen inhaltlich an die Lebenswelt der Teilnehmenden an und öffnen von hier aus globale Bezüge. Aktuelle Themen mit Nachhaltigkeitsrelevanz und Wasserbezug, wie beispielsweise „Mikroplastik und Spurenstoffe“ sowie „virtuelles Wasser im Einkaufskorb“ können, nach Wunsch, modulartig zu den Kursen Abwasserreinigung bzw. Trinkwasser dazu gebucht werden und bieten verschiedene Möglichkeiten zur Vertiefung des gewonnen Wissens. Hier werden u.a. Konsumgewohnheiten untersucht und hinterfragt sowie praktische Tipps für eine nachhaltige Lebensführung erarbeitet.

Auch digitale Formate für die Kurse Trinkwasser, Abwasser und Mikroplastik sowie entsprechende Padlets mit weiterführenden Materialien, wie Hintergrundwissen, Experimentbeschreibungen, Arbeitsblättern und Filmen, sind seit Kurzem Bestandteil unseres Bildungsangebots.

Team

In unserem interdisziplinären Team aus Pädagog*innen und Naturwissenschaftler*innen mit unterschiedlichen Hintergründen und Qualifikationen, arbeiten eine festangestellte Leitung und aktuell sieben freie Referent*innen sowie eine, von der Bezirksregierung abgeordnete, Lehrerin zusammen.

Die regelmäßige Reflexion im Team und die stetige Weiterentwicklung unserer Kompetenzen durch interne und externe Schulungen sichern die hohe Qualität unserer Bildungsarbeit.

Alle Referent*innen verpflichten sich den Grundlagen und Anforderungen des pädagogischen Konzepts entsprechend zu handeln. Als pädagogische Handreichungen dienen den Wasserschul-Referent*innen in erster Linie sogenannte Lernzirkelordner mit Hintergrundwissen, Methoden und Materialien zu den einzelnen Kursen. Die Lernzirkelordner wurden von der Leitung mit nachhaltigkeitsrelevanten Inhalten konzipiert und werden stetig im Team und weiteren Gremien evaluiert und weiterentwickelt. Gemeinsame Reflexion und Austausch über die Bildungsarbeit der Wasserschule sind so auf verschiedenen Ebenen stets sichergestellt.

Netzwerke

Unser Wissen halten wir durch regelmäßige Weiterbildungen sowie die Kooperation mit unseren pädagogischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Partnern auf dem Laufenden. Wir stellen unsere Angebote, Aktionen und Projekte in der Öffentlichkeit dar und setzen in verschiedenen Netzwerken, gemeinsam mit anderen Akteuren, Maßnahmen für nachhaltige Entwicklung um.

Darüber hinaus schließen wir uns als Mitglied der Kampagne „Schule der Zukunft – Bildung für nachhaltige Entwicklung“, die vom Umweltministerium und vom Schulministerium des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam getragen wird, mit Schulen und anderen außerschulischen Bildungspartnern aus NRW zusammen, die ausdrücklich BNE in den Unterricht und das Schulleben integriert haben.

Durch den fachlichen Austausch sichern wir die Qualität unserer Bildungsarbeit und erhöhen gleichzeitig die Reichweite unserer Angebote. Darüber hinaus fördern wir die Implementierung von BNE in der Kölner Bildungslandschaft. 

 

Kern-SDGs
Diese zwei der insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, auf die sich die Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 geeinigt haben, sind Kern-Themen unserer Bildungsarbeit.